Die Perle des Holzlandes

Weissenborn um 1900
Weissenborn um 1900

Weissenborn, die Pforte zum Mühltal liegt 300 m über NN im ehemaligen Herzogtum Sachsen / Altenburg im heutigen Land Thüringen unweit der Kreuzung der Autobahnen A4 und A9.

Es ist weit und breit bekannt als Sommerfrische und gilt als ideales Wanderziel unzähliger Vereine, Touristen und Schulen. Für Erholungssuchende wie geschaffen, wegen seines herrlichen Hochwaldreichtums und seiner ozonreichen Luft.

Man nennt es mit Recht " Die Perle des Holzlandes "

So geschrieben in einem Prospekt des Gemeinnützigen Verkehrsvereines zu Weissenborn in den 30er Jahren. Im heutigen Thüringen ist dem wohl nichts hinzuzufügen,denn nach wie vor ist unser schönes Weissenborn mit seinem Mühltal, seinen Traditionen, seinen Wanderwegen und seinem Waldreichtum ein immer wieder gern besuchtes Kleinod im inneren Holzland.

Liebeserklärung an Weißenborn von einem Zugereisten

Oh Weißenborn im Holzland

Es war Mitte der Dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts, da trafen sich einige Männer in Weißenborn immer am Raudabach. Im Volksmund wurde diese Truppe „Bachstange“ genannt. Wer weiß, was sie dort zu klönen hatten? Wir können heute leider keinen mehr von ihnen fragen. Sie hinterließen jedoch ein Lied über Weißenborn, welches einiges über den Menschenschlag und die Gegend hier aussagt- und die Tatsache, dass Holzländer auch Holzköpfe sein können, habe ich, als ich nach Weißenborn zog schnell gelernt. Das Lied über Weißenborn wurde über die Generationen bewahrt und ich will es deswegen auch hier der Nachwelt überliefern. Ob es der Urtext ist, kann ich nicht sagen. Es war eines der ersten Lieder die ich in Weißenborn gehört und eines, welches ich mir besonders gemerkt habe. Doch lest selbst:

1. Oh Weißenborn im Holzland, du bist ein schönes Nest, wo´s sich mit wenig Pfenn´chen ganz herrlich leben lässt! Da gibt es grüne Wälder, da fließt der Raudenbach, da gibt´s die größten Kälber und manches schiefe Dach.

2. Die Weißenborner Mädchen sind zierlich und so süß, man erkennt sie schon von Weitem an ihre großen Füß`. Und kommst du in die Nähe und siehst erst das Gesicht, da sagt ein jeder Bursche, ich heirat´ lieber nicht!

3. Die Weißenborner Schweine die liefern fetten Speck, die fressen Kieselsteine und ihren eig´nen Dreck. Und wiegt mit seiner Kube so´n Tier knapp hundert Pfund, schreit alles nach dem Fleischer, schneid ab der Sau den Schlund.

4. Die Weißenborner Kirmse, das ist ein großes Fest, wo jeder zünft`ge Holzkopf sein Geld in Schänken lässt. Da kauft er sich ´nen Affen, wie ein Kamel so groß, in Weißenborn zur Kirmse ist immer schwer was los.

5. In Weißenborn die Straßen, die sind kaum zu passier´n, da kann man seine Schuhe und auch die Strümpf`verlier´n. Ein jeder Bauer hat vor der Türe seinen Mist, wie das in einem Badeort gewöhnlich Mode ist.

6. Und Weißenborns Beleuchtung die ist so wunderschön, man kann vor lauter Lichtern den eignen Weg nicht seh´n. Und rennst du ganz geblendet an den Laternenpfahl, dann reibst du dir dein Nasenbein und denkst: es war einmal!

7. Da gibt es in der Wäldern der Ruhebänke viel, die laden ein zum Sitzen und schönem Minnespiel. Da kannst du dich ergötzen, ´ne kesse Maid im Arm. Und friert´s dich an die Beine, jedoch das Herz bleibt warm.

8. Und der dies Lied verbrochen, er war in Weißenborn und hat es gut berochen, von hinten und von vorn. Im ganzen deutschen Lande gibt es kein schön´res Nest als Weißenborn im Holzland! Das steht jetzt bombenfest!

Nun ja, einiges war sicher übertrieben und lässt sich nicht mehr auf die heutige Zeit übertragen. Die Mädchen sind durchweg hübsch und geheiratet wurde in letzter Zeit in Weißenborn sehr viel.

Mit wenig „Pfenn´chen“ lässt es sich wohl heute nirgendwo mehr leben aber das Weißenborn ein schönes Nest ist, ist eine Tatsache. Die besungenen Straßen durfte ich, als ich 1996 nach Weißenborn zog selbst noch kennenlernen. Heute gibt es nur noch eine Straße auf die der Text zutrifft und wenn da nicht bald was passiert verliert man dort nicht nur seine Schuh` und Strümpf´ sondern ganze Autoteile. Es ist die Kreisstraße. Böse Zungen behaupten ja, dass sie nur deswegen noch nicht gemacht wurde, weil an ihrem Ausbau die Anwohner nicht finanziell beteiligt werden können. Derartiges kann man sicher dem Humor der Weißenborner anrechnen – obwohl, alle anderen Straßen sind super gemacht. Aber das soll ja auch in nächster Zeit werden und dann erinnert nur die Liedstrophe an die ehemaligen Zustände, wie sie wohl in vielen Orten zu finden war. Die Beleuchtung ist jetzt Spitze und dank unserer vielen „Stromer“ im Ort auch super in Schuss.

Auch für mich stand nach kurzer Zeit in Weißenborn fest: Im ganzen deutschen Lande gibt es kein schön´res Nest. Als Weißenborn im Holzland! Das steht für mich auch bombenfest!

Weißenborn hat noch eine Besonderheit – es ist die alte Weißenborner Mundart die meist nur noch von Wenigen gesprochen wird. Es ist ein wunderbares „deutsch“ und ich könnte den „Alten“ stundenlang zuhören und dann darüber grübeln was manche Worte bedeuten. Schade, dass es in Weißenborn keinen Verein gibt, der sich mit dem Erhalt dieser Mundart beschäftigt. So wird diese Sprache wohl über kurz oder lang aussterben.

Werner Busch, ein Zugereister, aus Weißenborn, der Perle des Holzlandes.